Das Schwarzbrot.

Ein Päckchen von der Mutter! Und darin,
wie achtlos beigelegt – von grobem Schrot
`ne Schnitte heimatliches Roggenbrot. –
Tat sie das wohl mit einem tiefern Sinn?

Ich riech das Brot. Nach Heimat duftet es.
Dies Korn ward in der Heimaterde reif.
Ich kenn den Duft. Ich sinne und begreif:
Sie will, dass ich die Heimat nicht vergess.

Ich schliess die Augen, führ das Brot zum Mund
und kost davon. Es schmeckt so gut und mild.
Und plötzlich mir im Mund der Bissen quillt: –
O Mutterherz, o Heimatgrund!

Dies Stückchen Schwarzbrot führt mich heut nach Haus
Ich seh‘ das Land. Der Roggen rauscht im Wind.
`ist alles, wie es war. Ich bin ein Kind
und ruh am Heimatherzen wieder aus.

Maurice von Stern.

Schlettauer Heimatblätter. 1. Jahrgang, Nr. 1 v. 15. September 1925, S. 5