Freund Star zum Willkommen (2)

Zugleich eine Vogelschutzplauderei von Lehrer H. Dietrich.

(Schluß)

Wie viele Freunde sich unser metallisch schillernder „Sprachmeister“ auch in unserem Schlettau erworben hat, das beweist die große Zahl von Starkästen, die auch bei uns so manchen Baum zieren. Immerhin gibt´s noch manchen Garten, in dem solch luftiges Gebäude einen Platz finden würde. Ist´s nicht auf einem Baum, so tut´s ja auch irgend eine Stange. Und wer da Freude hat an der Beobachtung der Natur und ihrer Geschöpfe, dem kann das einfache Häuschen mit seinen lebenslustigen Bewohnern gar manche unterhaltsame Stunde bereiten! Wie schön wäre es aber erst, würde sich dieser Vogelschutz auch auf andere heimische Vögel übertragen! Es wurde oben auf die künstlichen Nisthöhlen des Freiherrn v. Berlepsch hingewiesen. Diese Nisthöhlen sind getreue Nachbildungen einer natürlichen Spechthöhle, da der Forscher die Beobachtung gemacht hatte, daß letztere sehr gern auch von andern höhlenbrütenden Vögeln benutzt werden! Man erhält diese künstlichen Höhlen für billiges Geld bei H. Scheid in Büren, Westfalen, in Annaberg bei Uhrmacher Bräutigam. Sie werden nun sehr gern von den zierlichsten Geschöpfen unserer heimischen Vogelwelt benutzt: von den Meisen! Es gibt wohl kaum ein anmutigeres Bild, als diese kleinen lebendigen Federbällchen buchstäblich durch´s Astwerk kugeln zu sehen: die Kohlmeise mit der gelbschwarzen Unterseite, die Sumpfmeise mit dem schwarzen Scheitel oder die kleine Blaumeise mit den hellblauen, oft leicht gesträubten Kopffedern! An den dünnsten Zweigen der weißstämmigen Birken schaukeln sie lustig hin und her, baumeln mit der aufgehängten Speckschwarte lustig im Winde, picken mit nadelfeinem Schnäbelein eifrig an der mit Talg gefüllten Nußschale, zum größten Zorn der Spatzen, die zu solcherlei Turnkunststückchen viel zu täppisch sind! Wie gesagt, diese kleinen Kobolde lassen sich zum Bezug einer künstlichen Nisthöhle nicht lange nötigen, und es ist köstlich zu sehen, wie unverdrossen die Alten zu Neste schleppen. Wahrlich, eine anstrengende Arbeit, denn die Meisenfamilien sind alle allzu kinderreich: 8 Kinder auf einmal ist bei allen der Durchschnitt, sogar 12 sollen schon vorgekommen sein! Unsere Bienenzüchter scheinen freilich auf das Meisenvölkchen recht übel zu sprechen zu sein. Wenn ich es trotzdem unternehme, für diese Tierchen einzutreten, so geschieht es einmal, weil ich auf meinen zahlreichen Streifzügen durch die ausgedehnten Heidegebiete des Flachlandes, in denen doch die Bienenzucht viel mehr noch in Blüte steht als hierzulande, von Bienenzüchtern nie besondere Klagen über Meisenschaden vernommen habe. Die dürften den Bienen wohl auch nicht viel gefährlicher werden als alle die anderen insektenfressenden Vögel, deren großer Nutzen sich doch andererseits gar nicht leugnen läßt. Schließlich stehen ja auch nicht in jedem Garten, in dem sich Gelegenheit zum Aufhängen von Nisthöhlen bietet, Bienenstöcke. Außerdem lassen sich die Höhlen auch recht gut im Walde aufhängen, wo sie von Tannen- und Haubenmeisen ebenso gern benutzt werden. Vielleicht hat der Vogelfreund auch einmal die Freude, einen in unserer Gegend nicht gerade häufigen Gartenrotschwanz als Mieter in seine Nisthöhle zu bekommen! So bietet das Anbringen von Niststätten dem Naturfreund Gelegenheit, an seinem Teil der Gefahr zu steuern, daß die Heimatnatur mehr und mehr der Verödung anheim falle!

Quelle: Schlettauer Heimatblätter. 1. Jahrgang, Nr. 7 v. 15. März 1926, S. 9